Simbabwes informell Beschäftigte in Notlage

Sie sind aus keiner simbabwischen Stadt wegzudenken – Straßenverkäufer, die an Kreuzungen durch die geöffneten Autofenster kleine Waren wie Wasserflaschen oder Feuerzeuge verkaufen, oder Händler, die Obst und Gemüse am Gehsteig anbieten. Diese Menschen sind Teil der informellen Wirtschaft, besitzen kein geregeltes Arbeitsverhältnis und machen fast zwei Drittel der Berufstätigen aus. Straßenverkäufer, Hausangestellte, Marktständler, Schneider, Handwerker, Taxifahrer – es gibt kaum eine Beschäftigung, die nicht auch im informellen Sektor betrieben wird.

Der informeller Sektor ist die Folge des Beschäftigungsproblems der Entwicklungsländer, wo durch Landflucht die Landwirtschaft vernachlässigt wurde und industrielle Arbeitsplätze fehlen. Er ist gekennzeichnet durch arbeitsintensive Produktion, einfache Technologien, niedrige Qualifikation, schlechte Bezahlung und einem geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. „Die Menschen in Simbabwe verrichten diese Tätigkeiten nicht, weil sie diese für sich gewählt haben, sie handeln aus der Not heraus“, so die Präsidentin der Zimbabwe Chamber of Informal Economy Associations, in der sich informell Beschäftigte organisieren. Eine Notlage, die sich während der Pandemie noch verschärft, da im Lockdown vielfach Beschäftigungsverbot besteht und die Hilfsprogramme der Regierung bei weitem nicht ausreichen.

Straßenhändler leiden besonders unter der Pandemie

Kinder in Gokwe erhalten Lebensmittel-Spende

Nach unserem letzten erfolgreichen Spendenaufruf für Bischof Nyandoro in Gokwe sind weitere Spenden eingegangen, die für den Kauf von Lebensmittel verwendet werden sollen. 800 US-Dollar wurden als Auslandsüberweisung direkt übersandt und zwei Tage später vor Ort in US-Dollar ausbezahlt. Bischof Nyandoro bedankte sich sehr herzlich im Namen der Kinder. Er schrieb, dass es gegenwärtig sehr schwierig sei Lebensmittel zu bekommen, dies betrifft insbesondere Familien, die ihre Arbeit verloren haben. Auch wurde der Lockdown um weitere zwei Wochen verlängert, was die Situation der zumeist im informellen Sektor tätigen Händler, Handwerker und Straßenverkäufer weiter verschlechtert. Ein Hoffnungsschimmer sind die gegenwärtig überdurchschnittlichen Regenfälle, die die Menschen trotz Pandemie auf eine gute Ernte hoffen lassen.

Auch Mr. Mudzingwa, Lehrer in Bondolfi und Betreuer der Zuflucht für heimatlose Kinder und Jugendliche teilte mit, dass die Sperrung wegen der südafrikanischen Virus-Mutante verlängert wurde. Zudem habe das Land 200.000 Impfdosen aus China erhalten – ein Teelöffel im Ozean. Alles in allem ist er zuversichtlich, zumal eine gute Ernte in Sicht ist.

Die Pandemie kann nur besiegt werden, wenn sie weltweit unter Kontrolle gebracht wird. Deutschland stellt weitere 1,5 Milliarden Euro zur Bekämpfung von Covid-19 zur Verfügung und engagiert sich für multilaterale Lösungen statt Impfstoffnationalismus. Der Großteil des Betrags wird an die Impfstoff­­plattform COVAX gehen, über die Impfstoffe für Entwicklungs­­länder beschafft und finanziert werden. Bislang sind 97 Industrie- und Schwellenländer beigetreten. Es geht darum, Pfleger und Ärzte in Afrika zu versorgen und nicht nur die gesamte Bevölkerung in den Industriestaaten.

Impfstoff-Spenden aus China und Russland für Simbabwe

Diese Woche erhielt Simbabwe eine Spende der Volksrepublik China über 200.000 Dosen Corona-Impfstoff, der von der chinesischen Pharma-Firma Sinopharm hergestellt wird. Auch hat der russische Diamantenproduzent Alrosa angekündigt, den in Russland entwickelten Corona-Impfstoff Sputnik V (Victory) an Simbabwe zu spenden. Die Lieferungen sollen nach der Genehmigung in der zweiten Märzhälfte beginnen, so der Unternehmens-Chef Sergey Ivanov. Der Impfstoff wurde inzwischen in 20 Ländern zugelassen und hat eine Wirksamkeit von 92 %. Er konkurriert mit in Europa und den USA entwickelten Impfstoffen Pfizer-BioNtec, Moderna und Astra-Zeneca (Quelle: Ray Ndlovu/Bloomberg News).

Alrosa ist einer der weltweit führenden Diamantenproduzenten und bereits in Simbabwe tätig. Unlängst wurden Konzessionen für die Erschließung primärer Diamantenvorkommen mit der Zimbabwe Consolidated Diamond Company (ZCDC) in den Provinzen Masvingo und Matebelalnd abgeschlossen. Geplant ist u. a. die Errichtung einer Diamantenwaschanlage in Beitbridge an der Grenze zu Südafrika. Bis 2023 werden für das Joint Venture von Alrosa Zimbabwe Limited 12 Milliarden US-Dollar erwartet. Impfstoff als Handelsware – das rohstoffreiche Land weckt Begehrlichkeiten, zumal es nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft die Krise zu bewältigen.

Impfstoff Sputnik V als Spende des russischen Diamantenproduzenten Alrosa

Simbabwe verhängt eine nächtliche Ausgangssperre

Der Anstieg an Corona-Fällen hat die Regierung dazu veranlasst, das Land für 30 Tage strikt zu sperren und eine nächtliche Ausgangssperre von 12 Stunden zu verhängen. Nachdem bisher relativ niedrige Infektionszahlen zu verzeichnen waren, gab es im Dezember doppelt so viele Covid-19-Fälle. Auch sind vier Minister aus dem Kabinett verstorben, drei davon in diesem Monat. Nur die wesentlichen Dienstleistungen in Krankenhäusern, Apotheken und Supermärkten dürfen weiter betrieben werden. Zudem bleiben die Landesgrenzen bis auf die Flughäfen geschlossen.

Straßenverkäufer und Händler warten schon seit März auf die versprochene Hilfe der Regierung

Da der größte Teil der wirtschaftlich Aktiven (ca. 2,2 Millionen Menschen oder 76 %) als Selbstständige im informellen Sektor außerhalb von formell geregelten Strukturen arbeitet https://puttygen.in , besteht die Gefahr einer Hungersnot. Auch hat die finanziell angeschlagene Regierung keine Pläne zur Unterstützung von Bürgern angekündigt, die während der Sperrung nicht arbeiten können. Viele Händler, Dienstleister und Straßenverkäufer warten seit März auf versprochene staatliche Unterstützung. Der Direktor der Simbabwe Human Rights Association, Dzikamai Bere, erklärte: „Simbabwes Sperre ist eine Sperre ohne Plan. Es wurde kein Budget zur Bekämpfung der Pandemie angekündigt. Sie schließen die Wirtschaft für die Armen, ohne ihnen eine Überlebensmöglichkeit zu geben.“

+++ Covid-19-Info Masvingo / Simbabwe (06.02.2021)
2.181 / 34.487 Infizierte
2.052 / 28.383 Genesene
64 / 1.216 Verstorbene

Überschwemmungen in Masvingo durch Wirbelsturm Eloise

Am 23. Januar erreichte der tropische Wirbelsturm Eloise mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h die Küste von Mosambik. Innerhalb von 24 Stunden fielen 250 Liter Regen pro Quadratmeter, über 8.000 Häuser wurden überflutet und teilweise zerstört, fast 260.000 Menschen waren betroffen.

Auch über das Nachbarland Simbabwe zog der Zyklon in abgeschwächter Form hinweg, setzte Wohnsiedlungen unter Wasser, zerstörte Straßen und Abwasserleitungen. In der Provinz Masvingo sind mehr als 400 Haushalte betroffen, zum Teil konnten die Straßen nur noch mit Geländewagen befahren werden. Der Tokwe Mukosi Staudamm, etwa 50 km südlich von Masvingo, drohte überzulaufen und versetzte die stromabwärts gelegenen Gebiete in Alarmbereitschaft. Durch Sturzfluten wurden etliche Wasserstellen verschüttet, einige Bewohner versorgen sich notdürftig mit unsauberem Wasser aus Schlaglöchern oder Straßengräben (Quelle: Africa Press). Aufgrund der beschädigten Verkehrswege gibt es Engpässe bei Lebensmitteln, es fehlt es an Decken, Moskitonetzen, Solarpumpen, Wasser-Kanistern und Hygieneartikeln.

Gerade die Begleiterscheinungen machen den Menschen zu schaffen, die mangelnde Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sowie oft mehrtägige Stromausfälle.

Wasserholen aus Schlaglöchern und Straßengräben

Einstimmige Entlastung von Vorstand und Kasse

Was als Versuch gestartet wurde – die Jahreshauptversammlung und Entlastung schriftlich durchzuführen – endete überaus erfolgreich. Die Mitglieder entlasteten Vorstand und Kasse der Kernen-Masvingo-Gesellschaft (KMG) ohne Gegenstimmen. Von 117 Mitgliedern gab es 63 Rückläufe (= 54 %), dies zeigt die hohe Wertschätzung, die dem Verein entgegengebracht wird. Vorstand und Kasse bedanken sich für das einstimmige Votum und freuen sich über das ausgesprochene Vertrauen.

Schwester Katharina hat uns darüber informiert, dass die Pandemie nun auch in Bondolfi angekommen ist. Auf Grund der hohen Infektionszahlen wurde ein weiterer landesweiter 30-tägiger Lockdown angeordnet. Davon betroffen sind auch die Schulen, in denen eigentlich am 05. Januar das neue Schuljahr beginnen sollte. Einige Schüler sind bereits nach dem ersten langen Lockdown nicht mehr in die Schule zurückgekehrt oder haben es versäumt nicht bestandene Prüfungen nachzuholen. Leider haben wir derzeit keinen genauen Überblick darüber, wie viele unserer Patenkinder davon betroffen sind. Sobald wir nähere Informationen erhalten, werden wir die betroffenen Pateneltern anschreiben.

Obwohl die Infektions-Zahlen weitaus geringer als in Europa sind, vermeldet Simbabwe von Tag zu Tag neue Höchststände.

+++ Covid-19-Info Masvingo / Simbabwe (16.01.2021)
1.650 / 26.881 Infizierte
1.174 / 15.872 Genesene
7 / 683 Verstorbene

Mehr Malaria-Tote wegen Corona-Pandemie

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Zehntausende von zusätzlichen Malaria-Toten erwartet. Experten kritisieren, dass die Bekämpfung von Malaria nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit und Finanzmittel erhält wie das Corona-Virus. So gab es 2019 ca. 229 Millionen Malariafälle, 94 % davon allein in Afrika. Nur 10 % der weltweiten Forschungsgelder fließen in die Entwicklung von Medikamenten, an denen 90 % der Men­schen leiden (= 90/10-Kluft).

Vor allem die Bewohner in den armen Ländern der Tropen sind betroffen von den armutsbegünstigten Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS, die in den Industrieländern heilbar oder zumindest beherrschbar sind. Schlechte Lebensbedingungen, mangelnder Zugang zu gesunder Nahrung und sauberem Trinkwasser sowie unzureichende medizinische Versorgung sind Ursache für die Ausbreitung dieser Infektionen.

Zudem gibt es für viele Armutskrankheiten keine oder nur veraltete Impfstoffe und Medikamente. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass innerhalb eines Jahres wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt werden konnten. Die Antwort stimmt nachdenklich – die betroffenen Regionen verfügen über wenig Kaufkraft, so fehlen der Pharmaindustrie die finanziellen Anreize in Forschung und Entwicklung zu investieren. Auch im Rennen um den Corona-Impfstoff ist Afrika abgehängt, wie die globale Verteilung der Impfdosen zeigt.


Malariamücke Anopheles

Impfen in Afrika – eine Frage der Gerechtigkeit ?

„Afrika steht beim Impfen weit hinten“ lautete dieser Tage eine Schlagzeile der StZ. Während sich die wohlhabenden Länder im Norden der Erde über 6,4 Mrd. Dosen an Impfstoffen gesichert haben, Russland und China eigene Forschungen betreiben, werden in Afrika erst Mitte 2021 nennenswerte Mengen ankommen. Afrikaner sind beim Rennen auf die Leben sichernden Seren wieder einmal ganz hinten platziert. „Das ist ethisch skrupellos und dumm“ so Lawrende Gostin, Direktor des Instituts für nationales und globales Gesundheitsrecht in Washington. „Solange nicht die ganze Welt gesichert ist, wird es auch in den reichen Ländern immer wieder zu neuen Epidemie-Ausbrüchen kommen.“

Dabei versuchten die Regierungen Südafrikas und Indiens eine vorübergehende Aufhebung der Patentrechte für Corona-Impfstoffe zu erreichen und wurden von den westlichen Industrienationen ausgebremst. Einmal mehr zählen Menschenleben weniger als die zu erwartende Rendite einiger Pharma-Firmen, obwohl in die Entwicklung des Impfstoffes Milliarden an Steuergeldern geflossen sind. Ärzte ohne Grenzen und Amnesty kritisieren, der Schutz von Leben und Gesundheit müsse Vorrang vor dem Schutz geistigen Eigentums haben.

Die Abrechnung könnte für den reichen Norden schmerzhaft werden. Schon jetzt begeben sich immer mehr Staaten in Afrika für Geld und Investitionen in Chinas Hand. Die Volksrepublik steigert so ihren politischen Einfluss und es bleibt abzuwarten, wann chinesische Covid-19-Impfstoffe in Afrika als medizinische Hilfsgüter zum Einsatz kommen.


Am 26.12.2020 starten die Impfungen gegen das Corona-Virus in Deutschland

Liebe Mitglieder, Pateneltern, Spender und Freunde der KMG,
wir bedanken uns für die vielfältige Hilfe, wünschen besinnliche und erholsame Weihnachtstage verbunden mit Zuversicht und Hoffnung auf ein gesundes neues Jahr 2021.

Vorstand und Ausschuss der
Kernen-Masvingo-Gesellschaft

Jahreshauptversammlung und Entlastung

Wie bereits angekündigt muss unsere Jahreshauptversammlung wiederum verschoben werden. Daher erfolgen die Berichte von Vorstand und Kasse für das Rechenschaftsjahr 2019 auf schriftlichem Weg und wurden mit der Post versendet. Unsere Mitglieder bitten wir um Entlastung und Rücksendung des ausgefüllten Formulars bis 31.12. an Frau Ihring, Gemeindeverwaltung Kernen. Auch freuen wir uns über Anregungen und Rückmeldungen.

Wir blicken auf ein schwieriges Jahr zurück, das ganz unter dem Eindruck der Corona-Krise stand. Ausschuss und Vorstand konnten kaum reguläre Sitzungen abhalten, stattdessen fanden mehrere Telefonkonferenzen (TELKO) statt. Trotz dieser Einschränkung wurden einige Maßnahmen in Bondolfi und Masvingo erfolgreich auf den Weg gebracht.

Als Glücksfall hat sich unser Container-Transport erwiesen, der Ende Oktober 2019 mit Hilfsgütern in Masvingo eintraf. Neben einem Krankenwagen mit Ausrüstung, Nähmaschinen und Computern befanden sich auch zwei Beatmungs-Geräte an Bord, die mit Ausbruch von Covid-19 zum Einsatz kamen. Im April 2020 wurden als Corona-Sofort-Hilfe 3.500 Schutzmasken und 1.600 Flaschen Desinfektionsmittel nach Masvingo ausgeliefert, eine kleinere Lieferung und zusätzliche Medikamente erhielt Bischof Rudolf von der Diözese Gokwe. Im März und Juli 2020 finanzierte die KMG zwei erfolgreiche Brunnen-Bohrungen nahe Masvingo (Sipambi + Mapfumo). Nunmehr verfügen die Dorfbewohner über frisches Wasser zum Kochen, Waschen und Bewässern ihrer Felder. Auch sind wir sehr froh, dass in Bondolfi inzwischen 91 Patenkinder unterstützt werden.

Bei allen Mitgliedern, Pateneltern, Spendern und Freunden der KMG möchten wir uns auch im Namen von Schwester Katharina herzlich bedanken. Es ist ein gutes Signal, wenn in schwieriger Zeit so viel Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt vorhanden ist.

Überwältigende Resonanz nach Aufruf für drei Waisenkinder

Die große Resonanz und Hilfsbereitschaft, die uns nach Aufruf im Mitteilungsblatt und auf der Homepage erreicht hat, war überwältigend. Innerhalb kürzester Zeit konnten die drei Geschwister Praise, Lee und Lingon an Pateneltern in Rommelshausen vermittelt werden. Auch sind noch weitere Angebote zur Übernahme einer Patenschaft oder zu einer Spende an unsere Patenkinder eingegangen – dafür ganz herzlichen Dank.

Aktuell haben uns Briefe der Familie unseres Patenkindes Gamuchirai erreicht. Durch Spenden der KMG konnte Material zum Bau einer Zwei-Zimmer-Hütte für die Kinder und die Reparatur des Dachs der Küchenhütte finanziert werden. Der Ausbau selbst erfolgte in Eigenleistung durch die Familie. Alle sind sehr glücklich, die sechs Kinder haben nun genügend Platz zum Lernen und Schlafen.

Nach einem fast 7-monatigen Lockdown wird nun langsam der Kindergarten und die Schule wieder geöffnet und die Kinder kommen zurück in die Mission Bondolfi. Schwester Katharina ist sehr glücklich alle nach so langer Zeit wiederzusehen.

Auch erreichte uns ein großes Dankeschön der Secondary School Bondolfi. Die Stühle des Posaunenchors Stetten, die wir letzten Herbst im Container mitgeschickt hatten, finden eine neue Verwendung und ergänzen die Bestuhlung in einem Klassenzimmer.


Stühle des Posaunenchors Stetten finden im Klassenzimmer der Secondary School neue Verwendung

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