Simbabwe – Militärputsch

Im Laufe der letzten Woche kam Simbabwe häufig in den Medien. Es wird berichtet, dass der 93-jährige Präsident Robert Mugabe und seine Frau Grace unter Hausarrest gestellt wurden. Das Militär hat die Macht vorübergehend übernommen und Robert Mugabe zum Rücktritt aufgefordert.MEHR LESEN

Schulsystem in Simbabwe

Das Schulsystem in Simbabwe gleicht in seiner Struktur dem britischen System. Die Kinder kommen meist im Alter von 5 Jahren in den Kindergarten bzw. in die Vorschule (ECD), das ist Klasse (Grade) 0. Dort lernen sie z. B. ruhig zu sitzen, sich zu melden, wenn sie eine Frage beantworten können und die ersten englischen Worte. Ihre Muttersprache ist Shona, die von ca. 11 Millionen Menschen gesprochen wird.

Normalerweise werden die Kinder im Alter von 6 Jahren in die Grundschule (Primary School) eingeschult. Leider sind vor allem ärmere Kinder und Waisen benachteiligt, sie werden z. T. nicht rechtzeitig eingeschult, denn der Schulbesuch kostet Geld. Die Grundschule dauert 7 Jahre (Grade 1 bis 7) und schließt mit einer Prüfung ab. Wer gut abschneidet, kann sich an einer weiterführenden Schule (Secondary School) bewerben. Nach 4 Jahren steht die O-Level-Prüfung an, das entspricht etwa unserer Mittleren Reife. Eine bestandene Prüfung ermöglicht einen weiteren 2-jährigen Schulbesuch auf einem Gymnasium (High School), dieses wird mit dem A-Level (Abitur) beendet und qualifiziert wie bei uns zum Universitätsstudium. Mit dem O-Level-Abschluss kann man sich auch an einem Lehrerseminar oder technischen College bewerben.

Bis vor wenigen Jahren wurden die schriftlichen A-Level- und O-Level-Prüfungen von England übernommen und auch zur Korrektur dorthin gesandt. Somit war ein Schulabschluss in Simbabwe mit einem englischen Abschluss gleichwertig. Seit kurzem werden die Prüfungen in Simbabwe bewertet.

Der Schulunterricht findet meist in Frontalunterricht statt. Die meisten Lehrer sind sehr streng, oft werden Kinder auch körperlich gezüchtigt. Schwester Katharina lehnt dies entschieden ab und sucht das Gespräch mit den Kindern und Lehrern, wenn sie von solchen Strafen hört.

Margret Thumm-Jorge

Filmtipp: Todschick. Die Schattenseite der Mode

Gemeinsam mit dem Kommunalen Kino Kernen, Kulturverein Allmende und AK Solidarische Welt laden wir zum Dokumentarfilm ein:

TODSCHICK. Die Schattenseite der Mode

Termin:   Mo., 23. Oktober um 20:00 Uhr

Ort:          Ev. Gemeindehaus in Stetten, Mühlstraße 1

Der Film führt vor Augen, wie unsere Konsumgewohnheiten die Lebenswirklichkeit der Menschen in weit entfernten Ländern beeinflussen. Ohne darüber nachzudenken kaufen wir aus einem überquellenden Angebot in Supermärkten und Geschäften ein. Lebensmittel und Kleidung kommen aus entlegenen Ländern zu uns, ungeachtet dessen, ob die Arbeiter fair entlohnt werden, unter würdigen Bedingungen arbeiten und selbst genügend zu Essen haben.

Aber was hat der Film mit Simbabwe zu tun, wenn über Textil-Mode aus Bangladesch berichtet wird? Was importieren wir aus Afrika? Vor einigen Tagen hatte ich eine Portion Zuckererbsen in der Hand: „Herkunftsland Simbabwe“ war darauf zu lesen. Die kleine grüne Packung war preiswerter als Erbsen aus Deutschland. Wie viel bleibt übrig für die einzelnen Arbeiter, wenn Farmbesitzer, Spediteure, Großhändler und die Steuer den größten Teil beanspruchen? Kopfschüttelnd sah ich die frischen Erbsen an, die aus einem Land stammen, in dem die Bevölkerung hungert und fragte mich, was wohl unsere Patenkinder dazu sagen würden. Einige haben früher für einen Hungerlohn in der Landwirtschaft arbeiten müssen, um die Schulgebühren bezahlen zu können. Sie waren froh, als sie Arbeit fanden und glücklich als sie Pateneltern bekamen – nun können sie lernen und müssen sich nicht um die Schulgebühren sorgen.

Der Film läuft im Rahmen Entwicklungspolitischer Filmherbst in ländlichen Regionen 2017 in Kooperation mit dem Dachverband Entwicklungspolitik BW (DEAB), Engagement Global im Auftrag des BMZ und dem Ev. Zentrum für Entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF)

Download Flyer „Filmherbst 2017“

Margret Thumm-Jorge

 

Brief an die Pateneltern

Liebe Pateneltern,

Unser zweiwöchiger Besuch in Bondolfi im Juni war geprägt von vielen fröhlichen Kindern und schönen Erlebnissen, leider gab es aber auch neue Notfälle und Probleme.

Endlich bin ich so weit, die Briefe und Fotos sind sortiert und die Abzüge sind gekommen. Im Mitteilungsblatt von Kernen, in der Fellbacher und Waiblinger Zeitung konnten Sie bereits einige Neuigkeiten lesen. Wer keinen Zugang zu den Zeitungen hat, kann alles in unserer Homepage unter www.kernen-masvingo.de finden. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass durch die verschiedenen Berichte sich bereits 9 neue Paten gemeldet haben. Die zum Teil schon etwas größeren Kinder müssen nun nicht mehr bangen ob sie weiter in die Schule gehen dürfen und unsere freien Spendengelder können für andere Aufgaben eingesetzt werden.

Bei Brandon zuhause wird sonntags die Ernte eingeholt und auf dem Freiluft-speicher gelagert. Dort trocknet der Mais und ist sicher vor Mäusen und Hühnern

Aktuell haben wir 89 Patenkinder (Patenschaften, die beendet werden nicht eingerechnet), davon sind 2 Kinder im Kindergarten (1 Kind in Bondolfi und 1 Kind in Munongo), 35 Kinder sind in der Primary Schule (33 in Bondolfi und 2 in Munongo), 30 Kinder in der Secondary Schule in Bondolfi, 8 im Lehrerseminar, 4 auf der Capota Blindenschule und 10 auf anderen Schulen verteilt bzw. wiederholen die Mittlere Reife (O-Level Prüfung).

6 junge Lehrer haben das Lehrerseminar abgeschlossen, bei einer Absolventin wissen wir aktuell noch nicht ob sie bestanden hat – 5 haben bestanden und suchen nun eine Stelle irgendwo in Simbabwe. Wir wünschen ihnen viel Erfolg.

Leider müssen wir einige Patenschaften vorzeitig beenden, das hat verschiedene Gründe. Mich macht es traurig, dass wieder 2 Mädchen dabei sind, die sich nicht mehr bei Schwester Katharina gemeldet haben. Von einer wissen wir inzwischen, dass sie verheiratet ist, von der anderen können wir das nur vermuten. Heiraten bedeutet den Abbruch der Ausbildung, oft heiraten sie leider nicht aus Liebe, sondern die Verwandtschaft spekuliert auf „Labola“, das Brautgeld. Die jungen Frauen trauen sich nicht dagegen aufzubegehren und bei Schwester Katharina um Hilfe zu bitten. Bisher kam nur eine junge Frau zurück und besucht wieder die Schule nachdem sie eine Tochter gebar und ihr Mann kein Interesse mehr an ihr hat. Ihre Pateneltern unterstützen sie wieder. Für die jungen Frauen ist es genau deshalb sehr wichtig die Schule zu besuchen, so können sie ihre Kinder besser unterstützen und sich selbst notfalls weiterhelfen.

Die wichtigste Neuigkeit aus Bondolfi ist – es gab eine sehr gute Ernte – so gut wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wir konnten bereits auf der Fahrt nach Bondolfi runde und zufriedene Kühe am Straßenrand sehen, sie hatten genügend zu fressen. Viele unserer Patenkinder mussten in jeder freien Minute ihren Verwandten bei der Ernte helfen, wir sahen sie deshalb nur sehr wenig.

Die Zuflucht ist jetzt das zuhause von 7 Mädchen und 5 Jungs, sie haben keine Familie in der sie gut versorgt werden. Es ist ein gelungenes Projekt. Dort spürt man, dass die Leiterin Tambu alle ihre Zöglinge liebt wie ihre eigenen Kinder. Sie hat im Vorgarten neben Blumen auch Mais und Kohl angebaut, sie animiert die Kinder zu helfen und sie tun alles dafür, dass sie dort leben dürfen und unterstützen Tambu. Wir konnten die liebevolle Atmosphäre richtig spüren.Gefreut haben wir uns, dass wir in Bondolfi Schwester Therese kennenlernen durften. Sie kommt aus Irland und unterstützt Schwester Katharina. Mit ihr und einigen Patenkindern haben wir den Computerraum vollends fertig eingerichtet. Schwester Therese unterrichtet an der Secondary Schule, jetzt auch am Computer. Sie schrieb mir eine Mail, dass die Schüler sehr eifrig sind alles zu lernen, sie sind gierig nach der neuen Technologie, über das Internet können sie sich später informieren und teilhaben. Von Schwester Therese bekam ich vor Ort auch Informationen über weitere bedürftige junge Menschen, inzwischen haben die meisten schon Pateneltern.

Neben der kleinen Klinik in Bondolfi ist das Gebäude für die Schwangerenberatung fertig geworden. In Masvingo kauften wir noch Stoffe für Vorhänge und Bettwäsche, Schwester Katharina nähte inzwischen fleißig und alles ist fertig – sogar Vorhänge für den Computerraum damit das Licht nicht blendet und es im kahlen Raum weniger hallt.

Ich war sehr traurig, dass ich einem Patenkind nicht helfen konnte. Der intelligente Junge wartet seit über einem Jahr auf die Korrektur seiner Geburtsurkunde. Sie war ausgestellt auf den 31. Juni, einen Tag den es nicht gibt. Deshalb konnte er seine O-Level Prüfung nicht wiederholen. Mit ihm fuhr ich ins Amt nach Masvingo, nach einigen Gesprächen wurde er interviewt und sagte, dass die Frau, die als seine Mutter eingetragen war, nicht seine Mutter ist – daraufhin wurde die Urkunde eingezogen. Nun muss die Stiefmutter eine Strafe bezahlen und er benötigt 2 erwachsene Verwandte, die bestätigen wer er ist. Leider sind seine Verwandten nicht bereit ihm zu helfen, selbst wenn wir die Strafe bezahlen und die Fahrtkosten übernehmen. Ohne Geburtsurkunde ist er nicht existent und kann keine Prüfung schreiben und seinen Abschluss nicht machen und dabei würde er so gerne Polizist werden. Wyckliff, ein ehemaliges Patenkind, inzwischen Dozent am Lehrerseminar und rechte Hand von Schwester Katharina für Problemfälle, hat es übernommen. Wir wünschen ihm, dass es noch eine Chance auf die richtige Geburtsurkunde gibt.

Nun noch etwas Organisatorisches, verschiedene Pateneltern senden ihren Patenkindern ein Paket oder einen Brief. Es gab nun einen Fall, in dem das Paket zurück kam mit einem Vermerk auf gefährliche Stoffe – es handelte sich um ein kleines Parfümfläschchen – kleiner als 100ml. Im Flugzeug ist es im Handgepäck erlaubt. In diesem Fall war das Paket komplett durchwühlt und nach 3 Wochen wieder zurück. Der Absenderin wurde auf Nachfrage mitgeteilt, dass sie froh sein soll, dass kein Strafverfahren wg. Verstoß gegen die Gefahrgutverordnung eingeleitet wurde. Deshalb mein Hinweis an Sie, bitte beachten Sie, dass Sie keine Flüssigkeiten und keine Batterien bzw. Elektrospielzeuge versenden. Im Zweifelsfall fragen Sie besser bei der Post nach was drin sein darf.

Eine Patin hat nun auch den Versuch gemacht, einen großen Brief zu senden, das ist wesentlich günstiger. Ich kann bisher noch nicht berichten wie lange er benötigt und ob er gut angekommen ist.

Voraussichtlich im November werden wir Sie zu einem Patenelterntreffen einladen. Ich freue mich schon darauf Ihnen einige Fotos unserer Reise zu zeigen und persönlich zu berichten. Gerne beantworte ich auch Fragen und nehme Ihre Anregungen auf. Ob meine Nichte Lina und ihre Freundin Jana aus der Heidelberger Gegend dazu kommen, weiß ich noch nicht. Sie waren dieses Jahr das erste Mal mit uns in Bondolfi.

Für den späten Nachmittag am 23. September planen wir ein Kernen-Masvingo Sommerfest mit den Stettener Weinkönigen. Eine Einladung bekommen Sie noch zugesandt.

Für heute wünsche ich Ihnen alles Gute und übersende auch viele Grüße von den Schwestern Katharina und Therese.

Ihre Kernen-Masvingo-Gesellschaft

Secondary Schule in Bondolfi – PC Unterricht

Von der Refugio Transfergesellschaft aus Plochingen, wurden vor über 2 Jahren viele Computer gespendet. Sie waren u. a. für die Bondolfi Secondary Schule bestimmt.

Es gab einige Probleme mit den Räumlichkeiten. Der Computerraum sollte in einer ehemaligen Lederfabrik entstehen. Dort standen noch die schweren Maschinen für die Lederbearbeitung. Der Raum musste entrümpelt und renoviert werden, die Stromversorgung war alt und es fehlte ein geeigneter Schutz vor Dieben.

Als wir im Juni in Bondolfi ankamen war der Raum leer, frisch gestrichen, die Stromleitungen neu, Fenster und Türen waren vergittert. Die Heilig Kreuz Schwestern hatten Tische und Stühle besorgt. Gemeinsam mit Schwester Therese aus Irland und Schwester Katharina machten wir uns ans Werk, kauften „High Surge“ Verlängerungskabel zum Schutz vor Hochspannungsspitzen im Stromnetz und Mehrfachsteckdosen sowie Adapter für die deutschen Stecker.MEHR LESEN

„Oxygen Factory“ – eine Sauerstofffabrik für Masvingo

Die Stadtverwaltung von Masvingo engagiert sich sehr für ihre Bürger. Neben den vielen erfolgreichen Aktionen für eine saubere Stadt und sauberes Trinkwasser hat sich Masvingo jetzt für eine „Sauerstofffabrik“ entlang des Flusses entschieden.

Das Projekt wurde während unseres Besuchs im Juni in einer regulären, sehr konstruktiven Sitzung der Masvingo-Kernen Association besprochen. Es hat zum Ziel die Sauerstoffversorgung der Menschen in der Stadt durch Bäume zu verbessern. Das Gelände am Fluss war schon bereitgestellt und teilweise gerodet. Es ist ein bisher vernachlässigter Bereich, der eine optimale Voraussetzung für die Aufwertung durch Bäume bietet. Während der Diskussion kam der Gedanke auf, Obstbäume zu pflanzen. Sie können sowohl Sauerstoff als auch Obst für Menschen in den dicht bewohnten Stadtteilen liefern.MEHR LESEN

In Simbabwe mangelt es an Bargeld

Bereits vor Jahren wurde der Simbabwe-Dollar durch den US Dollar ersetzt. Damals waren die Menschen sehr  glücklich, denn die rasende Inflation wurde gestoppt. Läden und Geschäfte konnten öffnen und es gab im Land wieder etwas zu kaufen. Fast alles kostet inzwischen etwa doppelt so viel wie im benachbarten Südafrika oder Botswana. Sowohl für uns als auch für große Hilfsorganisationen ist alles sehr teuer geworden. Der Euro verlor im Tausch mit dem US$ in den letzten Jahren an Wert.MEHR LESEN

Wer möchte gerne eine Patenschaft übernehmen?

Für 360 € im Jahr (30 € im Monat) ermöglichen Sie einem Kind eine bessere Zukunft. Es sind meist Waisen. Traditionell werden in der Gegend um Bondolfi beim Tod des Vaters, Kinder und der gesamte Besitz, an die Großfamilie des Vaters vererbt. Diese Familien kümmern sich bevorzugt um ihren eigenen Nachwuchs, Neffen und Nichten müssen arbeiten.MEHR LESEN

Töpfe aus „Müll“

Der „New Business Development Fund“, gegründet von der Gemeinde Kernen und Stadt Masvingo, hat zum Ziel die Gründung einer Firma in Masvingo zu ermöglichen. Es profitieren Menschen, die keinen Kredit von Banken bekommen würden. Ein Kredit wird nur vergeben, wenn die Geschäftsidee erfolgversprechend ist und eine Rückzahlung erwartet werden kann.
Wir konnten vor Ort ein neues Unternehmen ganz besonderer Art kennenlernen. Im Stadtteil Mucheke hat Herr Zinyarimwe die Produktion von dreibeinigen Töpfen aus Aluminiumabfällen begonnen. Er und seine Mitarbeiter sammeln Aluminium z.B. Getränkedosen, Sprayflaschen, Tuben, Autoteile, Alufolie, Müll von den Straßenrändern oder Haushalten. In einem alten Ölfass ist glühende Steinkohle und ein Behälter aus Eisen in dem die gesammelten Wertstoffe geschmolzen werden.MEHR LESEN

Leben ohne Geburtsurkunde

Ein Besuch in Bondolfi ist für uns immer auch ein Gespräch mit Patenkindern über ihre weitere Ausbildungsmöglichkeit. Dieses Jahr machte uns die Situation eines 20jährigen traurig. Bereits im letzten Jahr hatte er die Mittlere Reife (O-Level) geschrieben, das Zeugnis war gut, nur Englisch sollte er noch nachschreiben um ins Lehrerseminar aufgenommen zu werden.
Für die Anmeldung einer schulexternen Prüfung benötigt er einen Personalausweis. Er hatte eine Geburtsurkunde, diese weist als Geburtsdatum den 31. Juni auf, einen Tag, den es nicht gibt. So wurde, basierend auf dieser Geburtsurkunde, kein Ausweis ausgestellt. Vor einem Jahr hatte er die Korrektur beantragt. Seine Eltern sind vor Jahren gestorben, er lebt bei Verwandten.MEHR LESEN

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